Vorbereitung und Planung einer mehrtägigen Fahrradtour

Im letzten Jahr sind wir noch tausende Kilometer geflogen. Jetzt setzte das Ökogewissen ein und wir nahmen uns vor, dieses Jahr das Fahrrad als Fortbewegungsmittel einzusetzen. Weniger CO2, dafür viel Aktivität und frische Luft und jede Menge Natur.

Nur die Route stand lange nicht fest, bis eine Verkettung von Ereignissen in nur zwei Wochen den Reiseplan aufstellte: Es sollte nach Bornholm gehen. Bornholm? War da nicht was? Genau. Auf diesem Blog ging es schon mal um die idyllische Sonneninsel der Ostsee, nur dass wir damals mit dem Bulli dort waren. Starten wollten wir vor der eigenen Haustür. Auch wenn die ersten Kilometer durch den geschäftigen Berliner Stadtverkehr gingen, fanden wir es toll, unser Zuhause und unser Reiseziel auf diese Weise miteinander zu verbinden.

Start: Berlin

Start: Berlin, Ziel: Rønne, Bornholm

Wir sehen uns nicht als Fahrradreiseexperten und fortgeschrittene Radler können sicherlich woanders mehr lernen. Wenn du aber auch Fahrradlaie bist und vielleicht ähnliche Fragen hast wie wir, dann kannst du hier den ein oder anderen Tipp bekommen oder uns per Kommentar deine Ratschläge für die nächste Reise geben.

Routenplanung

Auf dem Rad ist häufig der Weg das Ziel und die Route sehr entscheidend. Für eine mehrtägige Fahrradtour bieten sich dabei ausgewiesene Radfernwege an. Welche das in Deutschland sind, listet Wikipedia auf. Für die meisten Wege gibt es eine eigene Homepage mit Streckenverlauf inkl. GPX-Dateien, Sehenswürdigkeiten und Unterkünften. Wer allerdings möglichst schnell von A nach B möchte, der sollte wissen, dass diese Wege nicht die kürzesten sind. Manche Abschnitte sind fast 50% länger als die kürzeste Alternativroute.

Teile unserer Route lagen auf dem Berlin-Kopenhagen-Radweg sowie auf dem Hamburg-Rügen-Radweg. Dazwischen mussten wir eine eigene Route finden, was sich als spannende und herausfordernde Aufgabe herausgestellt hat. Kurz vor der Reise sind wir auf die Fahrrad-App Komoot gestoßen. Die App unterstützt nicht nur während der Fahrt als Navigationsgerät (s.u.), sondern auch bei der Planung zuhause. Auf komoot.de lässt sie die Route ähnlich wie auf Google Maps auf einer Landkarte erstellen. Per Drag-and-Drop lassen sich Wegpunkte hinzufügen oder verschieben. Komoot bevorzugt gute Fahrradstrecken, die nicht immer die kürzesten sind, dafür aber einen geringen Anteil an Bundes- und Landstraßen sowie unbefestigten Wegen aufweisen. Wer die vorgeschlagene Route verändert oder mit Google Maps plant, der spart womöglich Kilometer, macht aber Abstriche bei der Streckenqualität.

Dieser Weg sieht zwar schön aus, ist aber nicht so schön zu befahren. Das haben wir zu verantworten, da wir die vorgeschlagene Route verkürzen wollten und angepasst haben.

Dieser Weg sieht zwar schön aus, ist aber nicht so schön zu befahren. Das haben wir selbst zu verantworten, da wir die vorgeschlagene Route verkürzen wollten und angepasst haben.

Ein Dank an Benno Koch, der uns wertvolle Tipps für den ersten Teil unserer Route gegeben hat. Auf seiner Homepage gibt es viel Inspiration für Radtouren.

Unterkünfte oder Zelten?

Wir waren hin- und hergerissen, ob wir zelten oder Unterkünfte beziehen sollten. Da wir noch nie zuvor eine so lange Strecke gefahren sind und manche Etappen für unsere Verhältnisse sehr lang waren, wollten wir Abends ein gemütliches Bett. Wir haben aber auf der Reise andere Radler getroffen, die mit dem Zelt unterwegs waren, und haben uns mittlerweile sehr dafür begeistert.

Ein paar Worte noch zu Unterkünften. Wir sind größtenteils durch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gefahren und dort gibt es jede Menge Pensionen, die für unter 40 Euro ein Doppelzimmer anbieten. In der Hauptsaison sind die Pensionen schon mal ausgebucht, da neben Touristen auch Montagearbeiter diese Unterkünfte nutzen. Tipp: Nicht wie wir zwei Tage vorher anrufen, sondern etwas längerfristig planen.

Welches Fahrrad?

Für die meisten Hobbyradler ist die Frage einfach: Das was im Hof oder im Keller oder in der Garage steht, also das was schon da ist. Wer kauft schon nur für eine Fahrradtour ein neues Fahrrad? Ich hatte das Glück, dass ich ein neues Fahrrad brauchte und die Überlegungen einer Radreise beim Kauf berücksichtigen konnte.

Mein Trekkingrad

Meine Wahl fiel auf ein Trekking-Rad der Berliner Fahrradmanufaktur Conrad. Schon mal vorweg: Das Fahrrad gefällt mir sehr und es hat sich auf der Reise bewährt.

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Ich habe bewusst auf eine kleine Fahrradschmiede gesetzt, da ich hier Vertrauen empfinde. Fahrräder von der Stange sind für Laien sehr schwer zu bewerten, da manche Komponenten versteckt im Inneren eines Fahrrad liegen und man von der ehrlichen Aussage des Herstellers/Verkäufers abhängig ist. Gerade wenn Kampfpreise ausgerufen werden, ist Vorsicht geboten.

Hinzu kommt, dass viele Standardräder auf Komponenten setzen, die zwar gut aussehen, aber wenig sinnvoll oder sehr wartungsintensiv sind. Der Klassiker ist die Federgabel. Gerade die billigen Federgabeln haben den Ruf, schnell zu verschleißen. Federgabeln sind schwer zu warten oder zu ersetzen. Die Philosophie von Conrad, dass nur Teile verbaut werden, die notwendig sind, gefällt mir. Eine Federgabel gehört nicht dazu.

Die große Preisspanne zwischen günstigen und teuren Rädern resultiert, neben der Qualität der Komponenten, aus dem Gewicht des Rads. Wer keine Rennen fährt und nicht jedes Gramm auf die Wage legt, muss nicht viel ausgeben.

Tinas Hollandrad

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Kann man eine große Tour auch mit einem Hollandrad mit nur 5 Gängen machen? Ja, man kann, sofern es flach ist. Wir sind vor ein paar Jahren von Essen nach Amsterdam gefahren. Der Unterschied zwischen einem sportlichen und weniger sportlichen Rad ist dort nicht so gravierend. Gerade Strecken an Flüssen entlang sind meist sehr flach und mit jeder Art von Fahrrad zu meistern.

Wenn es allerdings Hügel, ich spreche noch nicht von Bergen, hochgeht, dann ist der Unterschied enorm. Ein Hollandrad ist einfach nicht dafür ausgelegt. Der 1. Gang hat nicht die Übersetzung, die für einen Anstieg notwendig ist. Wenn das auf einer Tour nur wenige Male vorkommt, lässt sich das aushalten und der Fahrradkauf kann noch warten. Unsere Tour von Berlin nach Rügen und eine Rundtour auf Bornholm waren da schon grenzwertig.

Wunderschön ist das Fahrrad natürlich trotzdem!

Fahrradtaschen

Der moderne Klassiker unter den Fahrradtaschen sind die von Ortlieb. Sie werden aus LKW-Plane gefertigt und sind wasserdicht. Da die Öffnung eingerollt wird, kann auch hier kein Wasser eindringen, selbst wenn es stark regnet. Es sind Einzeltaschen, die einfach abgenommen werden können und dann mit einem Schultergurt getragen werden können. Insgesamt super verarbeitet, gut durchdacht und meine absolute Empfehlung!

Das Model Classic kostet um die 120 Euro. Etwas günstiger sind Varianten von Globetrotter und anderen Outdoor-Ausstattern, die ihr eigenes Logo darauf drucken und damit den Radler zum Werbeträger machen.

Tina hatte zusätzlich zu einer Gepäckträgertasche eine kleine, abnehmbare Tasche von ABUS für den Lenker. Gerade für Dinge, die häufig benötigt werden, z.B. eine Kamera, ist das sehr praktisch.

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Alles im Griff mit der praktischen Lenkertasche

Regenkleidung

Ich bin mir noch nicht sicher, wie die perfekte Ausrüstung aussehen sollte. Ich habe bei unserer Tour auf eine einfache Regenjacke gesetzt. Eine Regenhose hatte ich nicht einmal dabei, da es sehr warm war und meine kurze Sporthose schnell trocknet. Aber für kältere Temperaturen suche ich noch meine Ausrüstung. Ich bin hin- und hergerissen zwischen hochwertiger Regenkleidung und einem einfachen Fahrradponcho. Was ist eure Meinung? Kommentare erwünscht!!

Technik

Komoot

Wie oben erwähnt, haben wir Komoot als Fahrradnavigation eingesetzt. Komoot gibt es als App für iPhone und Android und die Anschaffung eines Fahrradnavigationsgeräts kann man sich sparen, solange man ein entsprechendes Smartphone besitzt.

Komoot gilt vielen als beste Navigationsapp. Wir mochten vor allem die Möglichkeit, die Tour in aller Ruhe am großen Computer-Bildschirm zu planen. Auf das Smartphone wurde die geplante Tour dann automatisch synchronisiert. Während der Fahrt lässt sich der Bildschirm ausschalten und die Audiofunktion mit Sprachansagen nutzen. So schont man den Akku, der durch das GPS ohnehin schon genug gefordert ist.

Komoot während der Fahrt auf Bornholm. Die Route hatten wir vorher auf der Komoot-Webseite mithilfe eines GPX-Tracks aus dem Internet geplant.

Komoot während der Fahrt auf Bornholm. Die Route hatten wir vorher auf der Komoot-Webseite mithilfe eines GPX-Tracks aus dem Internet geplant.

Die App selbst und die erste Region sind kostenfrei. Weiter Regionen müssen dazugekauft werden oder man entscheidet sich gleich für die ganze Welt. Es lohnt sich. Die App hat uns zuverlässig begleitet. Wer zudem gerne wandert, kann auch dafür Komoot einsetzen. Radreiseexperte Benno Koch hat einen hilfreichen Artikel zu Komoot geschrieben.

Smartphone-Halterung

Ich hatte noch eine ältere Halterung, die ich einst für ein kleineres Smartphone gekauft hatte. Mein Nexus 5 wackelt darin ganz schön, wenn es über Kopfsteinpflaster geht. Außerdem habe ich keinen Regenschutz und habe bei Regen mein Smartphone einfach in einen Gefrierbeutel gesteckt. Alles nicht so professionell, weswegen ich mir für die nächste Tour wahrscheinlich eine Hülle von Ibera kaufen werden.

Zusätzlicher USB-Akku

Die Nutzung des GPS ist stromfressend und die meisten Smartphones schaffen eine längere Tagesetappe nicht aus eigener Kraft. Daher empfehle ich, einen Zusatzakku im Gepäck zu haben. Ich habe einen USB-Zusatzakku von Sanyo, der den ganzen Tag hält, so dass der Smartphone-eigene Akku während der Fahrt gar nicht zum Einsatz kommt.

Ein kleiner Tipp, den ich sehr hilfreich fand: Verstaue den Akku in der Satteltasche und verkabel dein Fahrrad mit einem langen USB-Kabel.

Und noch ein Tipp: Falls du keinen Zusatz-Akku besitzt, jedoch einen Laptop im Gepäck hast, kannst du den USB-Anschluss des Laptops als Stromquelle nutzen. Ich habe das am ersten Tag erfolgreich ausprobiert.

Weitere Informationen

Hier geht es zu unseren Radtouren:

Eine umfangreiche Packliste, sowohl für Hobbyradler als auch für Reiseprofis, ist im Bergzeit Magazin erschienen: Packliste Radreise/-tour und Fahrradweltreise

 

Komoot hat mir freundlicherweise das Komplett-Paket zur Verfügung gestellt. Vielen Dank für die Unterstützung!

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4 Kommentare zu „Vorbereitung und Planung einer mehrtägigen Fahrradtour

  1. Lars

    Kleiner Tipp für die Regenhosen:
    http://www.rainmates-deutschland.de/
    Ich nutze immer nur den oberen Teil, der die Oberschenkel schützt. Hält den Teil trocken der am meisten abbekommt und läßt genügend kühlende Lust ans Bein, damit die Sache nicht zu schweißtreibend wird.

    Antworten
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