Vor der Weltreise: Verkaufen, Verschenken, Entsorgen, Einlagern

Unsere Strategie: Reduzieren und gratis einlagern

Als wir uns mit der Idee befassten, länger zu verreisen, stand auch die Frage im Raum, was wir mit unserer Wohnung und unseren Sachen machen würden. Die zwei naheliegenden Möglichkeiten sind untervermieten und professionell einlagern.

Untervermieten hat den Vorteil, dass man wenig Aufwand hat: Fast alles kann so bleiben wie es ist. Man vermietet seine Wohnung üblicherweise möbliert und kann nach der Reise wieder an das alte Leben anknüpfen. Aber: Man muss auch wissen, wann man wieder zurückkommt. Wir wollten maximale Flexibilität was unsere Rückkehr betrifft und erwägen nach der Reise einen Ortswechsel. Wer aber ohnehin seinen zeitlichen Rahmen abgesteckt hat, z.B. im Falle eines einjährigen Sabbaticals, sollte die Untervermietung erwägen. Auf jeden Fall sollte man diese auch mit seinem Vermieter abklären. Rechtliche Probleme will niemand, wenn er am anderen Ende der Welt ist.

Wer seine Wohnung aufgeben möchte, kann sein komplettes Inventar einlagern lassen. Man mietet einen Lagerraum und muss sich von nichts trennen. Das ist aber nicht günstig und man erreicht schnell das Mietniveau eines kleinen Studentenzimmers.

Wir haben uns dazu entschlossen, zunächst radikal unseren Besitz zu reduzieren. Am Ende sollte so wenig übrig bleiben, dass wir den Rest bei Verwandten einlagern können, ohne diese damit zu belasten.

So sieht es gerade bei uns aus: Umzugskartons und Bananenkisten (vielen Dank an EDEKA) warten auf ihren Einsatz

So sieht es gerade bei uns aus: Umzugskartons und Bananenkisten (vielen Dank an EDEKA) warten auf ihren Einsatz

Besitz reduzieren, Besitz lieben

In den folgenden Abschnitten beschreibe ich, wie ich Dinge losgeworden bin. Nicht alles war einfach. Vor allem habe ich gemerkt, dass es für viele Dinge keinen guten Markt gibt und man für seinen Besitz wenig und teils gar nichts bekommt.

Ich habe aber auch Freude empfunden, wenn mir klar wurde, an was ich wirklich hänge und was ich nicht verkaufen will. Ich verkaufe keine CDs, da ich Musik liebe. Das gleiche gilt für Musikinstrumente. Ich liebe meinen Schreibtisch, den ich erst vor zwei Jahren gekauft habe. Ich liebe Dinge, die ich selbst gemacht habe: zwei Möbelstücke, eine Lampe und ein Bild.

Für mich wiegt die bewusste Entscheidung für einige wenige Dinge den Verlust der unwichtigen und überflüssigen Dinge auf. Außerdem kann ich meine eigenen Fehlkäufe korrigieren sowie verschlissene Dinge ersetzen. Mein Kleiderschrank gefiel mir nicht mehr und das Sofa war durchgesessen. Wenn ich wieder da bin, kann ich neue Dinge kaufen, die ich hoffentlich lieben werde.

eBay und eBay Kleinanzeigen

eBay ist immer noch die bekannteste Plattform, um gebrauchte Dinge zu verkaufen. Konkurrenz haben sie sich selbst gemacht mit eBay Kleinanzeigen, einem Annoncensystem ähnlich zu den Kleinanzeigen in der Tageszeitung.

eBay hat den Vorteil, dass mit dem Ende der Auktion der Artikel (meistens) verkauft ist. Wer also vor einer Reise einen Artikel definitiv loswerden will, kann das gut auf eBay machen. Aber nicht enttäuscht sein, wenn das zu einem Preis von 1 Euro passiert. Denn manche Artikel gehen gut (vor allem moderne technische Geräte) und manche eher schlecht.

Bei eBay-Kleinanzeigen legt man selbst den Preis fest und zahlt zudem keine Gebühren. Mit Kaufinteressenten macht man Zahlungsmodalitäten und Übergabe (Post oder Selbstabholung) persönlich aus. Vor allem für Möbel ist das gut, da diese üblicherweise selbst abgeholt werden und eBay-Kleinanzeigen Leute aus der Region anspricht (Umkreissuche). Bei der Festlegung der Preise darf man sich nicht am Durchschnittspreis orientieren, sondern muss eher auf die niedrigsten Preise schauen, da man sonst auf den Sachen sitzen bleibt.

Für Klamotten ist der Kleiderkreisel eine Alternative.

Soooo viel Papier

Ich bin meine Akten und Ablagen durchgegangen und habe ausgemistet. Häufig hatte ich sehr großzügig abgeheftet, z.B. ganze Anschreiben von Banken und Versicherungen. In den Ablagen lagen auch Dinge der Kategorie „das will ich mir bei Zeiten nochmal ansehen“, u.a. Zeitschriften, aus denen mich nur einzelne Artikel interessieren.

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Mein Papierkorb reichte irgendwann nicht mehr, eine große Kiste musste her. Auf 7 kg Papier habe ich es gebracht. Dabei würde ich mein Vorgehen nicht als radikal bezeichnen. Ich habe immer noch einige Akten. Wer selbstständig arbeitet muss das auch, da eine Aufbewahrungspflicht von 10 Jahren für Buchungsbelege besteht. Und wer die Gewährleistung oder Garantie von Anschaffungen in Anspruch nehmen will, sollte ebenfalls auf Fristen achten und Kassenbons oder Rechnungen aufbewahren. Ich will also nicht empfehlen, wahllos alles wegzuschmeißen!

Für die Reise werde ich auch noch einige Dinge einscannen, da ich ungern eine dicke Dokumentenmappe mitnehmen will. Dieses Vorgehen kann natürlich auch im Alltag hilfreich sein, weniger Papier abzuheften und aufzubewahren.

Das geliebte Auto musste auch weg

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Meine lieber Emseu (benannt nach seinem ersten Nummernschild in Münster MS-EU…)…

Ich hatte (ja seit ein paar Tagen muss ich in der Vergangenheit über mein Auto sprechen) ein älteres Auto, was ich verkauft habe. Natürlich muss man sein Auto nicht für eine Weltreise verkaufen. Zum einen kann man einem Vertrauten den Wagen für einige Zeit zur Verfügung stellen, zum anderen kann man den Wagen „einlagern“. Wichtig nur: Niemals ein abgemeldetes Fahrzeug auf öffentlichen Grund stellen. Im ländlichen Bereich findet sich vielleicht ein Bauer, der den Wagen gegen kleines Geld in seiner Scheune unterstellen kann.

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Danke für die schöne Zeit! Auf dich war immer Verlass!

Da ich gerne in großen Städten lebe und das Auto immer ein bisschen Luxus war, habe ich mich aber von meinem Wagen getrennt. Das war nicht so einfach, da ich lange nicht wusste, was der Marktwert des Wagens ist. Ich habe den Wagen bei Autoscout24 und mobile.de eingestellt und habe mich beim Preis zunächst am Durchschnittspreis ähnlicher Fahrzeuge orientiert. Das funktioniert nicht! Denn damit orientiert man sich am Angebot und eventuell an ganz vielen anderen Verkäufern, die den Marktpreis ebenfalls falsch einschätzen. So schmerzhaft das ist, man muss sich an den niedrigsten Preisen orientieren. Wenn man nicht auf den ersten beiden Trefferseiten für seine Region landet, wird es schwierig.

Ich habe durch die Falscheinschätzung wertvolle Zeit verloren und bin am Ende doch ein bisschen unter Zeitdruck geraten. Da ich dann etwas radikal den Preis senken musste, habe ich vielleicht 100 oder 200 Euro verschenkt. Besser ist, es direkt richtig zu machen. Aber ich habe sehr vertrauenswürdige Käufer gefunden und auch das ist eine Menge Wert. Wer ein bisschen nach dem Thema „Auto verkaufen“ im Internet sucht, sieht nämlich nur noch Betrüger in der Welt da draußen.

Flohmarkt

Zweimal haben Tina und ich auf dem Flohmarkt verkauft. Unser Ziel war es, unsere Flohmarktsachen komplett loszuwerden, denn wir wollten auf keinen Fall Dingen einlagern, die wir nicht mehr brauchen. Auf den beiden Flohmärkten haben wir zwei Strategien ausprobiert.

Die vernünftige Verkaufsstrategie

Auf dem ersten Flohmarkt haben wir zwar bereits günstige Preise genommen, uns aber an unserem Bauchgefühl für den Marktpreis der Gegenstände orientiert. Das Ergebnis war gut, wir haben ein bisschen was verdient. Erschreckend war aber, dass unser Wagen danach immer noch voll war. Die große Masse sind wir nicht losgeworden.

Die 1-Euro-Strategie

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Münsters erster 1-Euro-Flohmarktstand

Auf dem zweiten Flohmarkt haben wir alles für 1 Euro rausgehauen. Das war teilweise unvernünftig, da es auch Gegenstände gab, die 7 oder 8 Euro gebracht hätten, wir wollen aber einfach alles loswerden. Manche Sachen haben wir noch günstiger verkauft, manche sogar verschenkt.

Die 1-Euro-Strategie wenden viele Verkäufer an, kurz bevor der Flohmarkt zu Ende ist. Das bringt aber nicht viel, da die Zeit nicht mehr reicht, viel zu verkaufen.

Wir haben am Ende weniger verdient, aber die Masse war wirklich weg. Wir haben deutlich weniger wieder mit nach Hause genommen.

Flohmarkt-Party

Flohmarktzimmer auf Abschieds- und Flohmarktparty

Flohmarktzimmer auf Abschieds- und Flohmarktparty. Die Weltkarte stand natürlich nicht zum Verkauf.

Den allerletzten Rest haben wir auf einer kleinen Party angeboten, zusammen mit der Drohung, dass wir alles was übrig bleibt, entsorgen würden. Wer wollte konnte eine kleine Spende für die Reisekasse loswerden. Zwei Tage später sind wir wirklich zur Mülldeponie gefahren, aber die Drohung hatte gewirkt und es war nicht mehr viel übrig.

Fazit

Die bewusste Auseinandersetzung mit unserem Besitz hat viel Spaß gemacht, war aber auch anstrengend, denn die Verkaufsaktionen haben uns ein halbes Jahr lang begleitet. Ich kann das aber nur weiterempfehlen. Den Keller ausmisten, beim nächsten Umzug nicht alles wahllos ein- und wieder auspacken, auch ohne Weltreise kann man diese Schritte machen. Weniger ist mehr!

Ein Kommentar zu „Vor der Weltreise: Verkaufen, Verschenken, Entsorgen, Einlagern

  1. Thessy

    Jaa, Ausmisten kostet viiiel Zeit. Aber: Es lohnt sich definitiv.
    Ich selbst bevorzuge neben Flohmärkten (die zugegebenermaßen echt aufwändig sind!) auch eBay Kleinanzeigen – einfach, weil man da meist den Preis bekommt, den man verlangt (sofern er natürlich nicht ganz aus der Luft gegriffen ist 😉 )
    Ansonsten finde ich Ankäufer wie rebuy, momox etc. ganz praktisch, um Dinge schnell loszuwerden und wenigstens noch etwas zu verdienen. Das kommt aber dann auch ganz darauf an, was man verkaufen möchte. Bei Romanen kommt nicht so viel bei rum, bei Fachliteratur schon eher, Videospiele lohnen sich auch und bei DVDs habe ich bisher einigermaßen befriedigende Preise für die Sachen gezahlt bekommen. Mit der Zeit habe ich festgestellt, dass die Preise echt unterschiedlich sind, also hat sich ein Preisvergleich schon sehr gut bewährt. Dazu würde ich es bei https://www.bonavendi.de/verkaufen/gebraucht.html mal probieren. Beim letzten Verkauf von einem Schwung Büchern hat das bei mir ganz gut geklappt.
    Vielleicht hilft das ja bei der nächsten Ausmist-Aktion weiter 🙂

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