Tekls Top 5 für Indien

Im Folgenden schreibt Tekl, ein Freund, den ich aus Münster kenne und den es vor Kurzem nach Hannover verschlagen hat.

Ich war Ende 2004/Anfang 2005 drei Wochen mit meiner damaligen Freundin, ihrem Vater und seiner Lebensgefährtin in Indien. Wir besuchten ein paar Tage Chennai und Pondicherry, verbrachten aber den Großteil der Zeit in Visakhpatnam, 13 Zugstunden nördlich von Chennai und ebenfalls an der Ostküste. Viele von uns besuchte Sehenswürdigkeiten hatten einen spirituellen Hintergrund, was in Indien aber auch nicht schwer ist. Wir waren unter anderem in Auroville in der großen Meditationskugel Matrimandir und auf einem großen Fest namens Guru Puja in Visakhapatnam. Ganz unspirituell befriedigten wir aber auch unsere Gelüste zur Anreicherung von Besitztum, sprich Shopping. 😉

Die Meditationskugel „Matrimandir“ in Auroville. Leider war überall „No Photos!“, deshalb so heimlich aus dem Gebüsch. ;-)

Die Meditationskugel „Matrimandir“ in Auroville. Leider war überall „No Photos!“, deshalb so heimlich aus dem Gebüsch. 😉

Ich und 6 fotogeile Inder-Kinder beim Guru-Puja-Fest, die immer wieder spielerisch um Coins bettelten.

Ich und 6 fotogeile Inder-Kinder beim Guru-Puja-Fest, die immer wieder spielerisch um Coins bettelten.

Auch wenn der Urlaub recht kurz für so ein fremdes Land war und ich wenig Reiseentscheidungen getroffen habe, haben mich einige Dinge nachhaltig beeindruckt.

1. Leckeres Essen

An erster Stelle steht definitiv das leckere Essen. Die Auswahl und Vielfalt hat mich echt umgehauen. Erst in Indien wurde mir so richtig klar, dass Fleischverzicht kein Verlust oder Weglassen ist. Ganz klar das Reiseziel für noch zweifelnde Vegetarier. Bei den Preisen kann man sich eigentlich jedes Festmahl gönnen. Mein absoluter Favorit war damals Palak Paneer, Spinat mit indischem Frischkäse. In Deutschland hat es mir bei keinem Inder so gut geschmeckt wie dort. Unvergesslich auch das Thali-Restaurant in Chennai, dessen Name ich nicht mehr kenne. Hierzulande habe ich leider noch keinen Inder gefunden, der Thalis für Einzelpersonen anbietet. Lustig fand ich die Reismänner in vielen Restaurants, Herren, die mit Reistopf und Kelle durch die Gänge ziehen, um auf Wunsch einen Nachschlag Reis zu kredenzen.

2. Westlicher Einfluss individuell ausgelebt

Besonders verblüffend fand ich, wie der westliche Einfluss individuell ausgelebt wurde. Zum Beispiel die übergroßen Werbetafeln auf den Dächern, manchmal so groß wie das Haus selbst. Oder ein vier Stockwerke hohes handgemaltes Kinoplakat. Auch die Autobeschrifter hatten es mir angetan, war ich doch selbst mal in dem Gewerbe tätig. Statt großer Hallen mit Schneideplotter habe ich ein kleines Kabuff gesehen, das kaum größer war als eine halbe Garage. Die Arbeiter haben in feinster Handarbeit Buchstaben vorskizziert und ausgemalt. Dabei erstaunlich präzise. Ansonsten stand die gelegentlich überraschend freizügige Werbung für mich im starken Kontrast zu meiner Wahrnehmung der traditionell gekleideten Öffentlichkeit.

Fahrzeugbeschriftung in Handarbeit. Man bedenke, das Schild über dem Wagen ist breiter als der Raum der Firma.

Fahrzeugbeschriftung in Handarbeit. Man bedenke, das Schild über dem Wagen ist breiter als der Raum der Firma.

Da würde jede deutsche Behörde Amok laufen: Werbung so groß wie zwei Stockwerke.

Da würde jede deutsche Behörde Amok laufen: Werbung so groß wie zwei Stockwerke.

3. Gastfreundschaft

Bewegend fand ich folgende Begegnung: Wir waren zu einer Freundin des Vaters entlang der Küste unterwegs. Sie leitete eine Schule für arme Kinder. Die Verhältnisse dort waren auf den ersten Blick erschütternd, doch dieser Eindruck schwand, als ich die Kinder sah. Man spürte förmlich, wie dankbar sie waren. Die Behausung der Freundin war ziemlich messihaft und fast schon ekelig, doch die Gastfreundschaft und die vielen süßen Tiere ließen mich das schnell vergessen. Alles wirkte sehr improvisiert, aber ich dachte, besser so, als gar nichts. Der Rückweg führte an einem Guru-Anwesen vorbei. Wir hielten an und schauten durch die Absperrung. Ein Mann kam auf uns zu und als der Name des Gurus fiel, den der Vater kannte, wurden wir reingebeten. Es war ein top gepflegtes Grundstück mit großen alten Bäumen, weichem Rasen und so seltsamen chilligen Sitzschaukeln (wenn ich mich recht erinnere). Herr Guru war nicht da und der Mann schien eine Art Hausmeister zu sein. Er zeigte uns das Anwesen und später sogar das Privathaus des Gurus, welches aussah wie ein Ufo auf einer Säule. Man musste über mehrere Steine im Wasser zum Eingang in der Säule hüpfen, angeblich, damit kein Ungeziefer reinkommt. Diese unbekümmerte Gastfreundschaft und Neugier ist mir auch sonst öfter begegnet, aber nie in so einer Vehemenz wie da.

4. Sinnlichkeit

Toll fand ich, dass in Indien so viel Bezug zu sinnlichen Sachen wie Blüten, Düften und Geschmäckern herrscht. Bei den Gerüchen ist das besonders krass, im Kontrast zu den Fäkalien in den Rinnen vieler Straßenränder. Wenn ich an Indien zurückdenke sind da auch viele Farben in meiner Erinnerung. Zum einen die vielen bunten Sarees der Frauen und die blumengeschmückten Behausungen. Zum anderen die rote Erde und die vielen unbekannten Pflanzen und Bäume. Wenn ich Schreckensnachrichten von Misshandlungen höre, frage ich mich immer, ob ich mit meiner Wahrnehmung eines sehr sinnlichen Volkes so daneben liege.

5. Amüsante Hilfsbereitschaft

Als letzten Punkt möchte ich die Bürokratie und die Arbeitsteilung nennen. Was bei uns eine Person im Kaufhaus macht, machen dort 3 Personen. In Klamottenläden steht gefühlt hinter jedem Ständer ein freundlicher Mitarbeiter. Die Hilfsbereitschaft war mir aber teilweise zu penetrant. Doch irgendwie hatte es auch was amüsantes; besonders im Vergleich zu unserer angeblich so bürokratischen Gesellschaft.

Nun, das sind nicht wirklich fünf Dinge oder Orte, die man sich beim nächsten Indien-Urlaub auf eine Liste schreibt und abarbeitet, aber für mich bestand die Zeit vor allem aus Eindrücken. Als Ortstipp kann ich nur Auroville oder Mamallapuram nennen. Rein hypothetisch würde ich jederzeit alleine zum Essen nach Indien fliegen. 😉

Wahrlich malerische Aussicht nahe Mamallapuram.

Wahrlich malerische Aussicht nahe Mamallapuram.

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