Mumbai: 12 Millionen Einwohner und alles gar nicht so schlimm

Ankunft in Indien

Mit großem Respekt sind wir nach Indien gereist. Während der Vorbereitung haben wir viel gelesen und es erschien uns kein Ponyhof zu sein, wenn mir diese Formulierung erlaubt ist. Kaum ein anderes Land wird beispielsweise so mit Reisekrankheiten, vor allem Reisedurchfall, in Verbindung gebracht. Auch die Masse an Menschen (Mumbai ist beispielsweise mehr als 5 mal dichter besiedelt als Berlin) führt zu einem Image, in dem Worte wie Überforderung oder Kulturschock ihren Platz haben. Ganz zu schweigen von teilweise extremer Armut und einer sehr verschmutzten Landschaft.

Um möglichst sanft einzusteigen in das Indien-Erlebnis haben wir die ersten beiden Tage in einem Hostel nahe des Flughafens gewohnt. Das Hostel Anjali Homestay war sehr gut, die Gegend nicht sehr touristisch und wir konnten in aller Ruhe unsere erste indische Luft schnuppern.

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Alltagsszene in Andheri East. Unsere ersten anderthalb Tage waren sehr unspektakulär. Genau das richtige, um erst einmal anzukommen.

Abenteuer SIM-Karte kaufen

Außerdem haben wir uns von dort aus indische SIM-Karten besorgt. Das war nicht so einfach. Im Vorfeld hatte ich bereits recherchiert und vor allem die Artikel von Anders reisen und india mike waren eine große Hilfe. Vodafone schien als Anbieter am ansprechendsten und über die offizielle Webseite hatten wir auch einen Vodafone-Shop in der der Nähe des Hostels gefunden. Es sind einige Dokumente mitzubringen, um eine SIM-Karte zu kaufen, vor allem Kopien des Passes und des Indien-Visums sowie ein Passfoto. Die größte Herausforderung ist aber ein Nachweis der aktuellen indischen Unterkunft inklusive Ansprechpartner. Dieser Ansprechpartner wird während des Aktivierungsprozesses von Vodafone angerufen, um zu belegen, dass es die angegebene Person gibt und dass diese vertrauenswürdig ist. Das alles beruht auf Richtlinien der Regierung und gilt für jegliche Telefonanbieter. Mein Tipp: Vor dem Kauf der SIM-Karte einen Inder finden, der einen unterstützt. In unserem Fall war das der Besitzer des Hostels, der die ganze Prozedur natürlich kannte. Er war sehr hilfsbereit und stattete uns mit seiner persönlichen Visitenkarte aus. Im Shop dauerte es fast eine Stunde (!). Aber keine 12 Stunden später war unsere SIM-Karte inklusive 3G-Internet aktiv.

Eine weitere Begegnung der ersten Stunden, die sich glücklicherweise häufig wiederholte, war die mit indischem Essen. Wir haben mittlerweile die Speisekarte rauf und runter gegessen und alles ist superlecker hier. Manchmal haben wir auch einfach irgendwas bestellt, ohne zu wissen was es ist. Wirkliche Fehlgriffe sind hier kaum möglich.

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Das berühmte indische Thali, das man mit Brot und den Händen isst. Händewaschen vorher und nachher ist empfehlenswert.

Chowpatty Beach und Dhobi Ghat

Innerhalb von Mumbai sind wir dann umgezogen. Das Hotel Kumkum liegt wesentlich zentraler und von hier aus wollten wir uns ein paar Sehenswürdigkeiten ansehen. Unser erster Ausflug war ein Spaziergang entlang des Stadtstrandes Chowpatty Beach. Wenn man das Augenmerk nicht gerade auf den Müll legt, der hier herumliegt, dann ist der Strand wunderschön. Die Promenade ist ein beliebter Treffpunkt für jung und alt. Hier haben wir auch das erste Mal ein Phänomen kennengelernt: in Indien ist Händchen-halten nicht die Geste von Verliebten sondern von guten Freunden. Uns kamen viele Männer entgegen, die sich an der Hand hielten.

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Am nächsten Morgen sind wir dann zu Dhobi Ghat gefahren, das berühmte Waschviertel. Hier wird bergeweise Wäsche, vor allem aus Hotels in Mumbai, gewaschen, alles in Handarbeit. Die Betonbecken und Blechhütten machen nicht den hygienischsten Eindruck, aber das zeugt vor allem von unserem Waschmaschinen-Denken. Denn das Konzept Dhobi Ghat funktioniert, auch wenn in Indien ein Trend zur Maschinisierung besteht.

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Die beste Sicht auf das Viertel bietet die Brücke direkt an der Mahalaxmi Station. Unser Ausflug zu Dhobi Ghat war gleichzeitig die erste Fahrt mit einem Zug in Indien. Diese und weitere Fahrten innerhalb der Stadt haben sich als entspannt erwiesen. Wahrscheinlich haben wir instinktiv die Rush Hour vermieden, aber wir hatten immer einen Sitzplatz. Von überfüllten Zügen keine Spur.

Mahatma Gandhi Road und Gateway of India

Ein weiteres beliebtes Ausflugsziel ist die Gegend um das Gateway of India. Wir sind vom Churchgate Bahnhof dorthin gelaufen. Schöner Nebeneffekt war, dass wir die Mahatma Gandhi Road entlanglaufen konnten mit einigen schönen Bauten aus britischer Zeit.

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Wer behauptet, dass Kühe aufs Land gehören, steht in Indien alleine da. Dieses Bild ist mitten im Zentrum entstanden.

Nach Terroranschlägen sind die Sicherheitsvorkehrungen in Indien sehr hoch. Wer das Gateway of India aus nächster Nähe sehen möchte, muss zunächst 30-60 Minuten Schlange stehen, um dann durch eine Sicherheitsschleuse zu gehen. Das war uns die Sache nicht wert. Vom Gateway aus sind wir einmal um den Block gelaufen, vorbei am berühmten Taj Mahal Hotel. Während dieser paar Minuten war es dann doch sehr anstrengend. Hier ist es supertouristisch, alle wollen einem was verkaufen und es gibt viele Bettler. Schnell raus hier!

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Gateway of India. Wir haben wir uns mit dem Blick über den Zaun begnügt.

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Das berühmte Taj Mahal Hotel.

Bollywood

Zufällig kamen wir an einem Kino vorbei und zufällig fing gerade ein Film an. Dieses Filmvergnügen hat unser Weiterreise stark geprägt, denn die Ohrwürmer aus dem Film Bang Bang ließen uns nicht mehr los. Der Film hatte außerdem alles was das Herz begehrt. Action, Liebe, Familie, Tanz und Musik. Von allem eine Spur zuviel, aber gerade das ist ja das besondere an Bollywood. Wir hatten großen Spaß, auch ohne Untertitel oder englische Synchronisation!

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„Unser“ neuer Action- und Liebesheld, hier auf einem Werbeplakat.

Wer selbst in einem Bollywood-Film als Statist mitspielen möchte, sollte sich vor dem Café Leopold von Agenten ansprechen lassen. Wir wurden auch angesprochen, jedoch an unserem letzten Tag in Mumbai.

Weiterreise und Fazit

Mumbai verließen wir über den Bahnhof Chhatrapati Shivaji Terminus, der auf der Liste des Weltkulturerbes steht. Unsere Weiterreise führte uns auf die ehemals britische Hill-Station Matheran.

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Chhatrapati Shivaji Terminus (CST) ist einer der großen Bahnhöfe. Nicht zu verwechseln mit Central Mumbai. Einen einzigen Hauptbahnhof, wie in vielen deutschen Städten, gibt es hier nicht.

Unsere Zeit in der 12-Millionen-Stadt gestaltete sich deutlich entspannter als erwartet. Die Eingangs erwähnten Vorurteile sollten wir hier nur teilweise antreffen. Erwähnenswert ist jedoch, dass wir an einem Tag sehr früh morgens zu Fuß unterwegs waren. So bekamen wir einen Eindruck, wie viele Menschen in Mumbai auf der Straße schlafen. Das war ein bisschen schockierend. Trotzdem verließen wir die Stadt mit sehr positiven Gefühlen und freuten uns auf weitere Indien-Erlebnisse.