Digitale Nomaden und Interrail – Teil 3: Spanien, Portugal, Frankreich und Fazit

Ankunft aus Marokko

Wie auf dem Hinweg nahmen wir die Schnellfähre von FRS und kamen in Tarifa in Spanien an. Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, nach Lissabon zu reisen. Nur mit Zügen ist das sehr schwierig, so dass wir auch Busse nehmen mussten. Der Kompromiss bestand aus einer Busfahrt von Tarifa Richtung Cádiz, Umstieg in San Fernando und Weiterfahrt mit dem Zug nach Sevilla, Busfahrt über die Grenze nach Faro, Weiterfahrt mit dem Zug nach Lissabon. Aber eins nach dem anderen.

Digitaler Nomade im portugiesischen Zug

Sevilla, Spanien

Sevilla ist eine der heißesten Städte Europas. Im November ist das kein Problem, da ist die Stadt angenehm warm. Das passte perfekt in unseren Reiseplan, dem kalten Deutschland zu trotzen.

Wir sind zwei Tage hier geblieben. Unsere Unterkunft Hostal Giraldilla war ein echtes Schnäppchen und ein guter Ausgangspunkt, um Sehenswürdigkeiten, Gastronomie, einen Waschsalon und den Busbahnhof zu Fuß zu erreichen.

Das berühmteste Bauwerk der Stadt ist die Kathedrale, die wir allerdings nur von außen angesehen haben. Beeindruckend ist außerdem der Plaza de España, der mit seinen Kanälen wie ein kleines Venedig daherkommt.

Als echte digitale Nomaden lag unser Fokus natürlich auch auf Cafés und Coworking Spaces. Unser Favorit war das Caótica Café, einer Mischung aus Café, Coworking Space und Bibliothek.

Beim Essen haben wir uns an HappyCow gehalten und waren zweimal im Organic’s sowie einmal im Ecovegetariano, die beide zum Centro Ecológica Gaia gehören. Besonders in Erinnerung bleibt mir zudem mein Versuch, auf Spanisch Tapas zum Mitnehmen zu bestellen. Der ältere Herr und die junge Frau im Tapas-Restaurant sprachen kaum Englisch und ich war stolz wie Oskar, als ich nach 10 Minuten (!) eine Bestellung aufgegeben hatte. Bis ich zwei Minuten später zu hören bekam „No Box“. Keine Box, kein Take-away, keine Tapas.

Lissabon, Portugal

Über Faro kamen wir nach Lissabon. In Faro haben wir nur einen kurzen Spaziergang gemacht und haben die Zeit im Madalena überbrückt. Dort gibt es vegetarische Speisen und leckeren Kaffee in einer gemütlich-hippen Atmosphäre.

In Lissabon mussten wir zunächst mit der Metro fahren. Dazu benötigten wir eine Viva Viagem Karte, eine Chipkarte für den öffentlichen Nahverkehr. Die Chipkarte kann man beliebig aufladen und in Bus und Bahn verwenden.

In Lissabon haben wir im Liv’in Lisbon Hostel übernachtet. Das Hostel ist noch recht neu, günstig und es gibt ein einfaches Frühstück.

Von dort aus haben wir die Stadt erkundet, sehr viel zu Fuß. Das ist ganz schön anstrengend. Lissabon besteht aus 7 Hügeln und ein Spaziergang ist ein ewiges Auf und Ab. Aber es lohnt sich. Von den höher gelegenen Orten wird man mit tollen Aussichten belohnt und das Schlendern durch Stadtviertel wie Bairro Alto oder Alfama macht einfach Spaß. Es gibt viel zu sehen und zu entdecken.

Catedral Sé Patriarcal

Alfama

Der neue Park „Campo das Cebolas“ in Alfama

In Lissabon gibt es jede Menge Kacheln an den Hausfassaden in den unterschiedlichsten Varianten

Bei einem Besuch in Lissabon darf ein Abend mit Fado-Musik nicht fehlen. Wir haben uns für die Bar Duque da Rua entschieden und können diese nur empfehlen. Gleich ein ganzes Ensemble trat den Abend über auf. Die Atmosphäre und die Räumlichkeit waren sehr familiär, was aber auch bedeutet, dass es wenige Sitzplätze gibt.

Fado-Sängerin als Streetart

Die Straßenbahn ist zum Markenzeichen der Stadt geworden und vor allem die Linien 12 und 28 erfreuen sich großer Beliebtheit bei Touristen. Wer mit der 28 fahren will, muss auch mal eine Stunde warten. Wir haben stattdessen die 12  für einen Ausflug genommen. Sie fährt eine deutlich kürzere Strecke, die Wartezeit ist aber geringer. Wie die Bahn die Hügel hoch und runter durch enge Gassen fährt, war schon recht witzig. Den Hype um die Bahnen, die ja ursprünglich für die Bewohner der Stadt gedacht waren, halte ich dennoch für etwas übertrieben.

Largo Portas do Sol mit Aussichtspunkt und kleinem Markt

Coworking in Lissabon

Es gibt einige Coworking-Spaces in der Stadt, jedoch waren wir an einem Wochenende hier und die Möglichkeiten recht begrenzt. Der Coworking Space Village Underground hat ein Café in einem alten Doppeldeckerbus, das auch am Wochenende geöffnet hat. Der Coworking Space liegt ganz in der Nähe der LX Factory, das Gelände einer ehemaligen Textilfabrik, auf dem jetzt hippe Läden, Ausstellungen und Gastronie angesiedelt sind

Darüber hinaus haben wir in Cafés unsere Laptops aufgeklappt, z.B. im 28 Café (es ist eingerichtet wie ein Straßenbahnwagon) und im Fábrica (super Kaffee, kein WLAN).

Pastel de Nata

Pastel de Nata ist ein mit Pudding gefülltes Blätterteigtörtchen. Unzählige Cafés und Konditoreien (Pasteleria) bieten sie an und ein Tag in Lissabon ohne ein Pastel de Nata wäre für mich nicht vorstellbar gewesen (zugegeben, es waren nur 3 Tage). Pastel de Nata kommt ursprünglich aus dem Stadtteil Belém, wo es angeblich immer noch die leckersten geben soll. Den Weg dorthin haben wir uns aber gespart und stattdessen frische Pastéis bei Manteigaria im Bairro Alto gegessen.

So werden sie also gemacht… Blick hinter die Kulissen bei Manteigaria

Von Lissabon ging es dann mit dem Nachtzug nach Madrid, der die einfachste Möglichkeit ist, das Land per Zug zu verlassen. Nach einem Frühstück im Café Plenti (wie schon auf der Hinreise) ging es direkt weiter Richtung Frankreich. Die Tickets hatten wir bereits in Sevilla gekauft. Der Nachtzug war an unserem Wunschtag ausgebucht und wir mussten unseren Plan um einen Tag anpassen. Früh buchen ist also empfehlenswert bei einem engen Zeitplan.

Aix-en-Provence, Frankreich

Tina hat zwei Semester in Aix studiert und eine Rückkehr an diesen Ort ist für uns immer etwas Besonderes. Wir kannten die Stadt schon und haben hier nichts Außergewöhnliches unternommen. Kleine Spaziergänge durch die Stadt und über den Cours Mirabeau, ein Café au Lait oder frische Madeleines waren uns Freude genug.

Ein Highlight war unsere vollständig eingerichtete Airbnb-Wohnung auf 3 (!) Etagen. So hatten wir für ein paar Tage ein richtiges Zuhause.

Man bemerke meinen „Interrail-Bart“, der in 4 Wochen entstanden ist. Nachdem wir die Reise ohne Zwischenfälle erlebt haben, hat er scheinbar Glück gebracht.

Place Forum des Cardeurs

Von Aix-en-Provence haben wir einen Ausflug nach Marseille gemacht, um eine Freundin zu besuchen. Auch hier waren wir schon einmal gewesen, aber das Szeneviertel Le Panier und das kleine Hafenviertel Vallon des Auffes waren neu für uns.

Cathedrale de la Major

Le Panier

Den Weg hoch zu Notre-Dame de la Garde haben wir uns dieses Mal gespart, eigentlich aber ein Muss beim Marseille-Besuch.

Vallon des Auffes

Von Aix ging es nach fast vier Wochen zurück nach Deutschland.

Zug- und Busstrecken

  • Tarifa – San Fernando (1h10, Bus)
  • San Fernando – Sevilla (1h29)
  • Sevilla – Faro (2h45)
  • Faro – Lissabon (3h32, Bus)
  • Lissabon – Madrid (10h06)
  • Madrid über Aix-en-Provence TGV nach Aix-en-Provence Ville (8h02)
  • Aix-en-Provence nach Marseille und zurück (2 x 0h39)
  • Aix-en-Provence – Münster (10h59)

In Summe 39h21 für ca. 3.600 km

Fazit

Die Reise hat sehr viel Spaß gemacht und wir haben unzählige Eindrücke bekommen. Wir haben mit der Schweiz, Spanien, Marokko, Portugal und Frankreich fünf Länder bereist.

Die Fahrten in Zügen (und fünf Bussen) – ganze 88 Stunden und 28 Minuten für ca. 7.900 km – waren ein Erfahrung für sich. Wir haben Landschaften vorbeiziehen sehen, unterschiedliche Arten von Zügen und Zugreisenden kennengelernt und, wie es sich für digitale Nomaden gehört, die Zeit gut genutzt.

Das Interrail-Ticket hat sich gelohnt, aber wie ich bereits im ersten Kapitel der Reise beschrieben habe, erlaubt es nicht, vollkommen spontan zu reisen. Die vielen notwendigen Reservierungen für Schnellzüge haben nicht nur Geld gekostet, sondern haben auch Planungsaufwand verursacht.

Dieser ist auch insgesamt nicht zu unterschätzen. Es gab Gegenden, in denen nur 2-3 Züge oder Busse pro Tag fuhren und die Gesamtplanung musste darauf abgestimmt werden, damit wir optimal weiterreisen konnten. Einige unserer Stops wurden uns quasi von den Gegebenheiten diktiert. Aber das war auch schön, denn jeder Ort hat uns etwas gegeben und wenn eine Reiseentscheidung erzwungen wird, kann das auch eine Erleichterung sein. Denn entscheiden muss man auf so einer langen Reise eine Menge.

Einen Aspekt habe ich bisher gar nicht erwähnt, er ist aber eine große Motivation gewesen: der ökologische. Wir wollten erfahren, wie weit man ohne Flugzeug kommen kann. Denn die Bahnreise verursacht nur ca. 1/5 der Emissionen einer Flugreise (defensiv geschätzt, Quellen: co2online.decarbonfootprint.com sowie Radio Bayern 1).

Wir hatten vier Wochen Zeit. Die waren für diese Strecke auch notwendig. Wer deutlich weniger Zeit hat, sollte sich überlegen, ob er Ziele wie Marokko oder Portugal anpeilen will. Für die Machbarkeit kann ich nur eine gründliche Recherche empfehlen. Je knapper die Zeit, desto sorgfältiger muss diese ausfallen, da bei der Kombination aus Einzelreisen viel Leerlauf und erzwungene Übernachtungen entstehen.

Ich bin froh, diese Reise gemacht zu haben. Ob ich noch einmal eine so komplexe Zugreise unternehmen möchte, weiß ich allerdings nicht. Lange Zugreisen, gerne auch im Nachtzug, auf jeden Fall.

Ein Kommentar zu „Digitale Nomaden und Interrail – Teil 3: Spanien, Portugal, Frankreich und Fazit

  1. Sermie

    Sehr schöner und informativer Reisebericht. Da kommt man direkt auf den Geschmack. Man möchte sich gleich in den Zug setzen und die Reise nachfahren.

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