Digitale Nomaden und Interrail – Teil 2: Abstecher nach Marokko

Fähre und Zugfahrten

Nachdem wir es so weit südlich geschafft hatten, wollten wir unbedingt nach Marokko. Wir wollten noch wärmeres Wetter, wollten unsere ersten Schritte auf dem afrikanischen Kontinent gehen und waren einfach gespannt auf eine uns fremde Kultur.

Von Spanien nach Tanger gibt es zwei Fährverbindungen:

Algeciras – Tanger Med: Algeciras ist mit dem Zug erreichbar, Tanger Med ist allerdings eine Stunde vom Stadtzentrum entfernt. Es fährt ein Gratis-Shuttlebus. Die Überfahrt dauert ca. 1,5 Stunden, es gibt mehrere Anbieter.

Tarifa – Tanger Ville: Hier fährt eine Schnellfähre des Anbieters FRS. Nach Tarifa fährt ein Shuttlebus vom Hafen Algeciras. In Tanger ist man direkt am Zentrum. Die Überfahrt dauert ca. 1 h. Wir haben uns für diese Option entschieden und ein Open-Return-Ticket gekauft. Damit ist die Rückfahrt bereits bezahlt, der Tag und die Zeit sind jedoch noch offen.

Ankunft in Marokko

In Tanger haben wir uns nicht aufgehalten. Wir sind direkt mit einem Taxi von der Fähre zum Bahnhof und dann mit dem Zug in die Hauptstadt Rabat gefahren. An Häfen, Bahnhöfen und Touristenhotspots sind Fahrten mit dem Taxameter („Compteur“) kaum möglich und man muss zunächst handeln. Etwas nervig, da wir förmlich belagert wurden, aber nach ein paar Minuten schafften wir es, eine Fahrt auszuhandeln. Später hat das Taxifahren aber sehr gut geklappt.

Rabat

In unserer Airbnb-Unterkunft wurden wir mit marokkanischem Minztee und Teegebäck von unseren Gastgebern empfangen. Unser Zimmer war frisch renoviert, liebevoll eingerichtet und beinhaltete eine provisorische Küche zum selber kochen. Eine absolute Empfehlung!

Unser erster Gang führte zur Filiale von Maroc Telecom. Dort kauften wir eine Prepaid-SIM-Karte mit Internetzugang. Damit konnten wir wie gewohnt von überall aus arbeiten sowie die Details unserer Reise spontan und internetgestützt planen.

Ein Highlight in Rabat ist, wie wahrscheinlich in jeder marokkanischen Stadt, die Altstadt (= Medina). Die Medina ist sehr belebt und keineswegs nur für Touristen. Einheimische kaufen hier Kleidung und Lebensmittel, aber auch Haushaltswaren, Schmuck und Technik.

Von der Medina ist es nicht weit zum Atlantik. Dort befindet sich das Kasbah des Oudaias sowie ein eindrucksvoller Friedhof.

Blick in die Nachbarstadt Salé

Im Hintergrund an der Küste liegt das Kasbah des Oudaias

Eindruckvolles „Gräbermeer“ direkt am Atlantik

Einen weiteren Ausflug haben wir zum Hassan-Turm und dem Mausoleum von Mohammed V gemacht.

Zufällig fand am zweiten Abend das entscheidende WM-Qualifikationsspiel gegen die Elfenbeinküste statt. Gewinnt Marokko, sind sie bei der WM dabei. Die ganze Stadt schien im Bann des Spiels, Leute verkleideten sich, schwangen Fahnen und strömten zur großen Leinwand am Hafen. Wer nicht dort war, schaute das Spiel im Fernsehen oder hörte es im Radio. Von Angst zu verlieren, keine Spur, von Alkohol auch nicht. Es hat Spaß gemacht, das mitzuerleben. Marokko gewann und ist in Russland 2018 mit von der Partie.

Soweit es möglich war, haben wir in Rabat die Straßenbahn Rabat-Salé genutzt. Die Bahn ist modern und das Lösen der Tickets ist einfach. Nur Kleingeld sollte man in der Tasche haben.

Marrakesch

Marrakesch empfängt seine Zugreisenden bereits eindrucksvoll mit einem wunderschönen und sauberen Bahnhof.

In Marrakesch kamen wir im Hôtel Racine unter, das wir als günstiges Angebot gebucht hatten. Im November auf der Dachterrasse liegen und sich sonnen, das war schon fein. Das Hotel war gepflegt und Frühstück war inklusive.

Wie schon in Rabat ist die Medina eine Attraktion. Allerdings ist die Medina von Marrakesh etwas besonders. Sie ist riesengroß und besteht aus einem gigantischen Labyrinth aus kleinen Gassen. Von jeder Gasse zweigen weitere Gassen ab, es scheint wie eine eigene Stadt in der Stadt.

In der Altstadt liegt der Marktplatz Djemaa el Fna, auf dem abends Geschichtenerzähler und Schlangenbeschwörer ihre Vorstellungen geben. Der Platz ist beeindruckend, aber auch sehr touristisch.

Der Palast El Badi ist nicht nur für seine Architektur berühmt, sondern auch für seine Störche. Die Störche pausieren hier vor dem Flug über die Wüste oder bleiben hier und brüten.

Die Moulay El yazid Moschee sieht nicht nur gut aus, sie produziert auch Solarstrom. Nebenan sind die Gräber Tombeaux Saadiens zu besichtigen.

In Marrakesch haben wir sehr gut gegessen und zwar hier:

Wir lieben es, in Städten einfach so herumzustreunern und uns zu Fuß ein Bild zu machen. Das war in Marrakesch nicht so einfach, da die Autoabgase allgegenwärtig sind. Das habe ich als den größten Nachteil in Marokko empfunden. Selbst in den engen Gassen der Medina verursachten Rollerfahrer Gestank und Lärm. Auf unseren Spaziergängen sind aber ein paar schöne Bilder entstanden.

Von Marrakesch ging es mit dem Nachtzug nach Tanger und von dort zurück nach Spanien. Der Nachtzug war sehr angenehm und die gesparte Nacht ebenfalls.

Zugstrecken

  • Tanger – Rabat-Agdal (3h54)
  • Rabat – Marrakesch (4h39)
  • Marrakesch – Tanger (11h15)

Macht in Summe 19h48 für ca. 1000 km. Sicherlich keine gute Quote, aber durch die Fahrt mit dem Nachtzug war das OK.

Warnung an alle digitalen Nomaden: In den Zügen gibt es keine Steckdosen. Vielleicht ändert sich das mit dem geplanten Schnellzug, der das Streckennetz mit Agadir verbindet.

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