Digitale Nomaden und Interrail – Teil 1: Ticket, Schweiz und Spanien

Die Idee: Mit Zug und Laptop durch Europa

Mit dem Herbstanfang kamen uns die ersten Gedanken an den anstehenden Winter. Kälte, Nässe, typisch deutsches Wetter. Können wir dem nicht entgehen, zumindest ein bisschen? So war die Idee geboren, mal wieder den Rucksack zu packen und als digitale Nomaden zu reisen. Das bedeutet, dass wir nicht nur Urlaub machen, sondern unseren Berufen als Softwareentwickler und Übersetzerin von unterwegs nachgehen. So wie wir es 2014 elf Monate lang schon einmal gemacht hatten, nur diesmal mit dem Zug und nicht mit dem Flugzeug.

Das Interrail-Ticket

Wenn man Interrail erwähnt, kommt häufig: Das habe ich früher auch mal gemacht. Hauptzielgruppe sind scheinbar Schüler und Studenten, die per Zug ihre erste große Reise machen. Aber Interrail hat keine Altersbeschränkung. Lediglich der Preis für das Ticket unterscheidet sich je Alter.

Es gibt auf interrail.eu verschiedene Angebote. Wir haben uns für den Global Pass mit 10 Reisetagen innerhalb eines Monats entschieden. Mit dem aktuellen Winterrabatt haben wir 321 Euro bezahlt.

Was man wissen muss, ist, dass Interrail nicht bedeutet, dass man spontan in jeden Zug springen darf. In vielen Ländern benötigt man eine Reservierung, insbesondere für Schnellzüge. Auf der Interrail-Webseite sind die Details erklärt. Am Ende haben wir inklusive der Reservierungskosten eher um die 500 Euro pro Person an Zugreisekosten gehabt, da wir auch noch einen Abstecher nach Marokko, und damit außerhalb des Interrail-Gebiets, unternommen haben. Das ist aber immer noch günstig verglichen mit den Einzelfahrtkosten. Wir sind am Ende ca 8.000 km Zug gefahren. Ich schätze, dass Einzeltickets zwischen 800 und 1.000 Euro kosten würden.

Das Interrail-Ticket ist ein physisches Ticket und kommt per Post. Reservierungen für Frankreich kommen ebenfalls per Post. Der Reservierungsprozess ist zudem etwas merkwürdig und zwischen der Buchung und der Bestätigung vergeht bis zu ein Tag. Da ist noch Luft nach oben.

Bern

Unser erstes Zwischenziel war Bern in der Schweiz. Dort haben wir zwei Freunde besucht. Heiko und David sind ebenfalls Reiseblogger, die wir in Berlin kennengelernt haben. Sie betreiben den Blog worldtripnews.com.

Bern hat uns gut gefallen. Die Stadt ist nicht sehr groß und man kommt überall zu Fuß hin. Die gut erhaltene Altstadt ist sehr schön. Die Liebe zum Fluß Aare ist rührend und das Schwimmen darin ein Massenphänomen. Bei gutem Wetter ist außerdem das Panorama der umliegenden Berge sichtbar. In diesen Genuss kamen wir leider nicht.

Blick vom Rosengarten auf die Stadt

Die Zugfahrt von Bern Richtung Genf vorbei am Genfer See war eine der schönsten Strecken unserer Reise. Das hat Lust gemacht, der Schweiz noch einmal einen Besuch abzustatten.

Madrid

Nach einer Tagesreise kamen wir in Madrid an und blieben anderthalb Tage in der Stadt. Unsere Unterkunft hatten wir über Airbnb gefunden. Die Lage in Bahnhofsnähe war optimal und unser Host Leonardo hat uns herzlich empfangen.

Madrid erschien mir recht unaufgeregt. Nur wenige Plätze waren vom Tourismus eingenommen. Wir sind durch die Viertel geschlendert, haben hier und da einen Kaffee getrunken und/oder die Laptops aufgeklappt.

Plantate Café. Hier gibt es Kaffee und Pflanzen zu kaufen

Der Parque del Retiro ist einer der schönsten Orte in Madrid.

Weitere Orte, die uns gut gefallen haben:

  • Das Viertel Malasaña
  • Das Viertel Barrio de Las Letras
  • Café Plenti

Von Madrid ging es dann weiter gen Süden Richtung Andalusien.

Wenn der Blick mal nicht Richtung Bildschirm geht…

Córdoba

Die Stadt Córdoba ist geprägt von verschiedenen Epochen, unter anderem durch die Herrschaft der Mauren. Das zeigt sich in einer interessanten Mischung in Architektur und Kultur. Córdoba gehörte einmal zu den größten Städten der Welt.

Das bedeutendste Bauwerk ist die Mezquita-Kathedrale, die 784 als Moschee gebaut und mehrfach erweitert wurde. Wir haben sie uns nur von außen angesehen, da die Warteschlange zu lang war. Ganz in der Nähe steht die Brücke Puente Romano, die über 2000 Jahre alt ist. Der botanische Garten Jardin Botánico de Cordoba war leider aufgrund eines Feiertags geschlossen.

Innenhof der Mezquita-Kathedrale

Puente Romano

Ein Spaziergang durch die Altstadt ist sehr lohnenswert. Wir sind anschließend bei Niklas Tapas eingekehrt. Nicht weit von unserem Hotel Conde de Cárdenas liegt außerdem das vegane Café La Libélula. Dort gibt es Kaffee, Frühstück und superleckere Salate.

Córdoba ist sehr touristisch. Aber es gibt auch ruhige Ecken.

Patio des Hotel Conde de Cárdenas

Ronda

In Ronda hatten wir ein paar Stunden Zeit, bevor wir in den Bus zu unserer nächsten Unterkunft gestiegen sind. Die Stadt ist vor allem für die gigantische Schlucht bekannt, die die Stadt zweiteilt.

Finca Vegana

Ein bisschen im Nirgendwo zwischen den Städtchen Algodonales und Zahara de la Sierra liegt die Finca Vegana, eine von zwei Deutschen betriebene Ferienunterkunft. Sie besteht aus einem Haupthaus und kleinen freistehenden Häusern, von denen wir eins gemietet hatten.

Das vegane Konzept besteht bisher nur aus einem umfangreichen Frühstücksangebot. Mittags und Abends haben wir selbst gekocht.

Auf der Finca wollten wir vor allem ein paar Tage entspannen und die Sonne genießen. Tagsüber war es hier sehr warm und wir liefen meist im T-Shirt herum. Während kleiner Wanderungen kamen wir richtig ins Schwitzen, abends wurde es hingegen richtig kalt und wir mussten den Kamin anmachen.

Must Do: Eine Wanderung in der Schucht Garganta Verde

Eingekauft haben wir in Algodonales und Zahara de la Sierra. Beide Orte gehören zu den Pueblos Blancos, den weißen Dörfern Andalusiens, und sind einen Besuch wert.

Zahara de la Sierra

Algodonales

Nach einer entspannten Woche ging es für uns weiter Richtung Marokko. Von der Finca aus führte unser Weg erneut über Algodonales und Ronda, dann aber nach Algeciras und Tarifa im Süden. Bis dort hatten wir von unseren 10 Interrail-Reisetagen vier verbraucht.

Zug- und Busstrecken

  • Berlin-Bern (8h37)
  • Bern-Madrid über Genf und Lyon (13h36)
  • Madrid-Córdoba (1h43)
  • Córdoba-Ronda (1h41)
  • Ronda-Algodonales (0h45, Bus)
  • Algodonales-Ronda (0h45, Bus)
  • Ronda-Algeciras (1h42)
  • Algeciras-Tarifa (0h30, Shuttle-Bus vom Fährbetreiber)

Macht in Summe 29h19 für ca. 3.300 km. Durch die Aufteilung und die Zeit auf der Finca war das deutlich weniger anstrengend als man auf Basis der reinen Zahlen meinen könnte.

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